Die Partei ist ein Vehikel, den öffentlichen Diskurs auf das relevante
Thema der Gesellschaft zu lenken. Das relevante Thema, das uns angeht,
ist die Zukunft; denn dies ist der Raum, der durch die Gegenwart
gestaltbar ist. Hier liegt der Unterschied zwischen Verwaltung und
Politik: Verwaltet wird die Gegenwart, das Primat der Politik ist die
Gestaltung der Zukunft. Das klarste Zeichen der Zukunft sind die Kinder.
Es sind unsere Kinder und sie sind immer auch [Kinder der
Gesellschaft](/wiki/Kinder_der_Gesellschaft.md). In ihnen zeichnet
sich Verantwortung am deutlichsten ab. Diese Verantwortlichkeit liegt
bei uns, den mündigen Bürgern etwa als Eltern, Großeltern, Erziehern und
auch Politikern.

Der Ausgangspunkt soll einfach sein, er soll bei der Frage liegen: Wie
kann unsere Gesellschaft aufgebaut und strukturiert sein, sodass sie
unseren Kindern eine gute Gesellschaft und Gemeinschaft bietet? Als gute
Gesellschaft möge die Fähigkeit gelten, unsere Kinder zu wahreren,
klügeren und besseren Menschen zu machen, als wir es sind, es ist eine
Freude anzuschauen. Ausgangspunkt jeden politischen Handelns wird so die
Frage nach der Zweckhaftigkeit für unsere Kinder. Das ist ein radikaler
Wandel der Perspektive.

Wir folgen im ersten Schritt Hans Jonas, Fürsorge für den Nachwuchs:
"Hier ist der Archetyp alles verantwortlichen Handelns \[...\]"[1].
Jeder von uns war ein Säugling, dessen Bedürftigkeit angenommen und
entsprochen, dessen Anspruch auf Leben angenommen und positiv
beantwortet wurde. Selbst in den tragischen Schicksalen von Ausgrenzung
und Verstoßung sind wir Zeichen dieser Verantwortung, die, wenn nicht
von den konkreten Menschen ausgeübt, durch Institutionen angenommen
wird. Hier ist eine einfache und klare Natur des Menschen erkennbar:
„Verantwortung im ursprünglichsten und massivsten Sinn folgt aus der
Urheberschaft des Seins, an der über die aktuellen Erzeuger hinaus alle
beteiligt sind, die der Fortpflanzung durch Nichtwiderruf ihres Fiat im
eigen Fall beipflichten, also alle, die sich selber das Leben
erlauben“[2]. Das sind wir: die erwachsenen und mündigen Bürger.

Mit dieser Verantwortung gegenüber unseren Kindern nehmen wir auch die
Verantwortung für uns selbst wahr. Denn wir selbst sind das notwendige
Hilfsmittel, durch das sich diese Verantwortung realisiert. Wir sind uns
selbst gegenüber verantwortlich, weil wir unseren Kindern gegenüber
verantwortlich sind und niemand sonst diese Verantwortung übernehmen
könnte. Eine Politik, die sich an den Kindern ausrichtet, ist somit
immer auch eine Politik, die sich an den Menschen ausrichtet.

So wenden wir uns wieder unserer eigentlichen Verantwortung den Menschen
und zuvorderst den [Kindern der
Gesellschaft](/wiki/Kinder_der_Gesellschaft.md) zu, unseren Kindern.
Mit einer konsequenten Verfolgung der Kindesinteressen werden also
ebenso die Interessen aller Mitglieder einer Gesellschaft vertreten und
gleichzeitig eine zukunftsfähige und [nachhaltige
Politik](/wiki/Nachhaltigkeit.md) betrieben.

In einer aufgeklärten Demokratie kommt der kritischen Öffentlichkeit
eine spezifische Funktion zu: die der Selbstkontrolle. Diese Funktion
kann nur mit und durch die Mündigen und ihren kritischen Einsatz des
Verstandes erreicht werden. Auch dieser kritischen Öffentlichkeit muss
unsere Sorge gelten. Und dies in zweierlei Hinsicht: Ist es nach Kant
zum Einen die 'Feigheit und Faulheit' in uns, die unsere Mündigkeit
zeitlebens bedroht, und damit auch die Öffentlichkeit, deren
unentbehrlicher Teil jeder von uns ist, zum anderen in der
[Erziehung](/wiki/Erziehung.md) der noch nicht mündigen, der Kinder.
Sie allein bilden nach uns diese kritische Öffentlichkeit. So weist das
durch die Verantwortung gestiftete Sorge-System eine differenzierte
Struktur auf. Es sind die Mündigen, deren Aufgabe und Pflicht es ist,
den Unmündigen zur Mündigkeit zu verhelfen. Unserer aufgeklärte
Gesellschaft, ihr ganzes demokratisches System hängt von der Fähigkeit
ab, diese Mündigkeit zu bewahren. Im Strom der vergehenden Zeit bedeutet
bewahren, dass die nächste Generation von Menschen mindestens so mündig
ist wie wir. Die nächste Generation von Menschen ist die unserer Kinder.
Das sind keine Fremden: Wir sind ihre Eltern und Großeltern, ihrer
Verwandten und die Freunde dieser Menschen. Immer sind wir den Kindern
gegenüber in der Pflicht, die sich aus dieser Verantwortung ableitet.

Es besteht ein generativer Vertrag, der sich zwischen Eltern und
Kindern, aber im Besonderen auch zwischen Kindern und Großeltern
entfaltet. Sie verbinden die Kinder mit dem Vergangenen und
angereichertem Kulturellen, dem symbolischen Milieu. Erst in diesem
generativen Gefüge ist es den Kindern möglich, eine konkrete Beziehung
mit dem gesellschaftlichen, dem symbolischen Milieu, aufzunehmen und
selbst in der Abfolge der Generationen diese Rollen ausüben zu können.
Durch die Verbindung der Kinder mit den Alten schließt sich der Kreis
der Generationen. Durch sie wird der Kreislauf des Werdens und
Vergehens, der das Leben ist, erfahrbar. Es sind die langen Kreisläufe,
die sich durch dieses intergeneratives Verhältnis erleben und erfahren
lassen und nur die langen weiten Kreisläufe sind als Narration geeignet,
den Sinn zu stiften. „Die noch lebende Elterngeneration vermittelt ihm
\[dem Kind\] auf diese Weise die durch Generationen angehäufte
Erfahrung, die es mit seinen verstorbenen Vorfahren in Verbindung
setzt“.[3]

Eine auf den verantwortlichen Zweck bezogene Wirtschaft ist
bedürfnisorientiert. Die Bedürfnisse ergeben sich aus unserer Art und
Weise, wie wir auf diese Welt bezogen sind. Dies sind die objektiven
Zwecke die Wirtschaft begründen können. Das Produzieren von
Bedürfnissen, die Basis unsere absatzorientierten Wirtschaft hat keinen
Zweck innerhalb dieser Verantwortung. In einer Welt, in der die
materiellen Grundbedürfnisse übererfüllt werden, bauen wir Maschinen
nicht, um mehr Güter herstellen zu können. Wir bauen Maschinen, um mehr
Zeit zu haben. Zeit, die wir unseren Kindern widmen können, wie es
unsere Verantwortung ist. Da diese Verantwortung ein originärer Teil
unseres Daseins ist, ist hier auch Lust und in der Lust auch
Befriedigung, echte Befriedigung, wie sie der Konsum nicht zu leisten
vermag. „Mit der Tochter oder dem Enkel spielen bedeutet Lachen und sich
mit ihnen &lt;<die Zeit zu vertreiben>&gt; - ihnen ein wenig von der
eigene Zeit zu widmen, und zwar nicht nur für ihr Gehirn, sondern auch
für die Entwicklung ihre minderjährigen Aufmerksamkeit ...“[4]

Die Norm wird heute nicht mehr von dem Menschen definiert. Sie ist ein
vom Marketing gestiftetes Produkt. Entsprechend enthält sie keine andere
Zweckhaftigkeit als die des Konsums. Das Marketing richtet sich speziell
an die Kinder und Jugendlichen, um ihre Aufmerksamkeit zu binden. Es
zerstört den Generationenvertrag, indem es die Jugendlichen zu
Vorbildern für uns Erwachsene macht.

Krieg widerspricht dem Lebenszweck und leugnet unsere Verantwortung
gegenüber dem Leben. Wir müssen aufhören mit Krieg und demnach mit der
Produktion von Kriegsgerät. Auch hier wird so viel Lebenszeit
investiert, die unwiederbringlich verloren geht. Die Zeit, die diese
Erwachsenen nicht mit den Kindern verbringen, ist verloren, für die
Kinder und auch für die Erwachsenen. Sie ist verloren für uns alle. Es
ist die verlorene Zukunft, die wir alle erleben, der Krieg wütet überall
auf der Welt. Das Leid und die Verzweiflung wachsen.

Dies alles sind Kapriolen des Rationalen - Die Dialektik der Aufklärung.
Diese Rationalität ist auf sich selbst bezogen und nicht mehr auf das
Leben, so wird diese übersteigerte Rationalität irrational. "Nicht indem
sie ihm die ganze Befriedigung gewährt, haben die losgelassenen
Produktionskolosse das Individuum überwunden, sondern indem sie es als
Subjekt auslöschten. Eben darin besteht ihre vollendete Rationalität,
die mit ihrer Verrücktheit zusammenfällt." [5] Sie sind das Ergebnis
einer Rationalität, die sich abgelöst hat vom Zweck und damit auch von
der Welt und den Menschen. An diesen Stellen können uns die Kinder
helfen, die Welt und die Menschen wieder in den Blick zu nehmen, die
Bedürftigkeit zu objektivieren und zu begründen. Die Kinder in den Fokus
zu rücken, bewahrt uns vor dem Überschlag des Denkens, sogar vor dem
popeligen &lt;<eigenen Vorteil>&gt;. Hans Johnas "Sieh hin und du
weißt"[6] können wir als Vorwegnahme des Spiegeleuronennprinzips
verstehen. Wir sind bestens ausgestattet, die Bedürftigkeit in anderen
zu erkennen, zu reflektieren und sie zu unseren eigenen zu machen. In
der Verantwortung für unsere Kinder finden wir eine ähnliche
Subjekt-Entlastung wie im Ritus oder im Spiel. Denn sie macht uns zum
Teil eines größeren Systems, eines „Sorge-Systems“. Es entsteht ein
generativer Vertrag, der die Geschichte stiftet, in der wir alle eine
Heimat finden: Denn was bleibt, sind die bunten Geschichten. Die eigene
individuelle Geschichte ist auf Wohl und Wehe mit der Kollektiven
verknüpft, die zu Ende ginge ohne unsere Kinder. Traurig und leer wird
die Welt der letzten Menschen sein.

Einzelnachweise
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<references />
Namespace :

[1] Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die
technologische Zivilisation. Frankfurt/M. 1979. Neuauflage als Suhrkamp
Taschenbuch 1984. ISBN 3-518-39992-6. S.85

[2] Ebenda S.241

[3] Bernard Stiegler: Die Logik der Sorge: Verlust der Aufklärung durch
Technik und Medien. Frankfurt/M. 2008. Suhrkamp. ISBN 3-518-26006-5.
S.21

[4] Ebenda S.30

[5] Horkheimer/Ardono: Dialektik der Aufklärung. Frankfurt/M. 1988.
Fischer. 21. Auflage. 2013. ISBN? S.215

[6] Hans Jonas: Das Prinzip Verantwortung: Versuch einer Ethik für die
technologische Zivilisation. Frankfurt/M. 1979. Neuauflage als Suhrkamp
Taschenbuch 1984. ISBN 3-518-39992-6. S.235